Metamorphose für den großen Gig

Was MB-Booker Rick Barkawitz auf sich nimmt,
um beim Neujahrssingen als Dave Gahan zu glänzen

Den Mutigen gehört die Welt, sagt man. Dieses Mantra nahm sich auch Moritzbastei-Booker Rick Barkawitz jetzt zu Herzen. Tapfer schritt er in die Gottschedstraße, in Götz Ponaters Friseursalon, wo der Chef persönlich die Schere bereithielt. Der MB-Mann trug seine Haare immer länger, zuletzt bis zum Kinn. Nun wurde er wegen eines besonderen Anlasses geschoren: Am 9. Januar vertritt er beim Neujahrssingen die Moritzbastei – als Dave Gahan.

Zum vierten Mal treffen musikalische Gastronomen und amüsierwillige Zuschauer zum beliebten Spektakel im Werk II aufeinander. Dort geht’s keineswegs um billige Karaoke-Nummern, sondern vielmehr um authentisch-amüsante Bühnenshows. Für Rick Barkawitz ist es mit schicker Kostümierung und dem Aufbringen sämtlicher Gesangsreserven aber nicht getan. Er möchte Depeche-Mode-Frontmann Gahan an diesem Abend bis in die Haarspitzen ähneln.

„Ja, tschüss! Ich hoffe, sie wachsen wieder”, lauten seine letzten Worte Richtung Matte. Ein sorgenvoller Blick in den Spiegel mit barockem Goldrand, und Götz Ponater übernimmt die Regie. Schicht für Schicht trägt der Barbier das wallende seitliche und Hinterkopfhaar ab. Seine Freundin habe er vorsichtshalber schon mal zum Essen eingeladen, scherzt Barkawitz.

Trotz aller Verkleidungsfreude – „mit Fasching hat die Veranstaltung nichts zu tun”, betont Maike Beilschmidt, die das Neujahrssingen produziert. Sie bewundert Ricks Einsatz. Obwohl viele Teilnehmer sich anfangs zurückhaltend zierten, könnten sie am entscheidenden Termin meist doch halbwegs singen. Und jedes Mal würden die Teams gefeiert wie die originalen Stars. „Wir begreifen das als gastrophonische Tour durch die Leipziger Kneipen, auf der wir die Gäste und Wirte zusammenbringen”, meint sie.

Trotzdem wird das Neujahrssingen 2010 anders als die vorherigen. Moderator und Entertainer Paul Fröhlich, auch Gastgeber dieser Veranstaltung, kam im Sommer bei einem Unfall ums Leben. „Natürlich kann man Paul nicht ersetzen”, erklärt Beilschmidt, „und ich wollte auch keine Kopie von ihm. Aber es muss und wird anders weitergehen.” Die Revue moderieren nun Sanitär-Jazzerin Andrea Höhn und Schauspieler Stefan Ebeling. Auf diese Wahl habe ihr Umfeld bisher durchweg positiv reagiert, meint Beilschmidt zufrieden.

Unterdessen kämmt der Friseur den Oberkopf seines Klienten nach hinten, auf dem Boden ein ansehnliches Haarknäuel. „Der hat ganz schön Federn gelassen”, konstatiert Ponater. Was vorher mittig gescheitelt auf Barkawitz’ Kopf lag, toupiert, dreht und vor allem gelt der Fachmann nun in 80er-Manier rückwärts. Mitgebrachtes Feinripphemd und Sonnenbrille tun das Übrige.

Bei diesem aufopferungsvollen Engagement können sich die anderen Bands warm anziehen: Unter anderem treten das Café Cantona, das Killiwilly, das Team des Theatercafés Pilot, das Krystallpalast Varieté und eine Crew vom Tonelli’s an. Die Namen der Interpreten und Songs bleiben vorerst geheim.

Das gilt auch für ein voraussichtlich sensationelles Team: Nach Informationen aus Insiderkreisen begeben sich einige Vertreter dieser Zeitung ebenfalls auf die Bühne. Mit einem Song, der tänzerische Tücken birgt; an der Choreographie feile man bereits, heißt es. Die von Paul Fröhlich stets verlangte „Schönheit in der Bewegung” kommt sicherlich spätestens bei diesem Auftritt zum Tragen. „Ich hoffe, das wird eine große Feier auch für Paul. Wir werden auf ihn anstoßen und ihn weiterleben lassen”, sagt Rick Barkawitz und entschwindet – gut frisiert und ready for the Show.


Theresa Wiedemann
Leipziger Volkszeitung
22.12.2009