Superstars für Dieter

Unglaublich, aber wahr:
Beim Neujahrssingen mischt der leibhaftige Herr Bohlen das Werk II auf

Leeipziggg, Diiieeter spricht zu Euch! Der einzig Wahre! Der Erfinder der Besetzungscouch. Der Mann, der durch die Jogginghose atmet und Falten so tief wie Eure Pleiße hat. Beim Neujahrssingen im ausverkauften Werk II war Dieterle in geheimer Mission unterwegs.

Moderator Paul Fröhlich hat`s tatsächlich durchgezogen, mich vor den knapp über 1000 Leuten nicht zu verraten und behauptet, ich sei LVZ-Sportredakteur Schäfer. Totaler Quatsch. Ich, Dieter, war auf der Suche nach Superstars. Bin aber nur auf Supertrinker gestoßen. Und vor die Flinte hab` ich auch nix bekommen. Außerdem mit meinen Geronimos Cadillac nen Poller vorm Fürstenhof geküsst. Warum hat mich eigentlich kein Hund erkannt? Habt Ihr`s mit den Augen in Leipzig? Backstage-technisch muss im Werk II dringend die ganz große Abrissbirne ran. Die Besetzungscouch müffelte wie mein Golden Retriever, der einen Koi aus Tötensee aufstößt. Gut, dass Jane Birkin nicht nur “je t`aime”-te, sondern auch eine Fünf-Liter-Flasche Textilspray im Kosmetiktäschlein hatte. Janes Gespiel Serge Gainsbourg alias Ecki Grundmann hat mir in seinen figurbetonten Knödelhosen richtig gut gefallen.

Mein schwuchteliger Partner Thomas alias LVZ-Redakteur Mark Daniel trug hautenges Froschleder und einen Meter Lippgloss im Face. Der Typ ist tausendprozentig vom anderen Ufer, dünkte es dem Dieter nach dem zwölften Rotkäppchen. Und dann knutscht der Thomas plötzlich `n Weib, das nicht auf den Namen Nora hört. Und die wundervolle Backing Band Südwind blies dazu. Mensch, Tommy, alter Solarium-Vertreter, alter Lederstrumpf. Haste doch was vom Dieter gelernt.

Die Mädels von Boney M. als Abgesandte vom Café Schiller – rattenscharf! Nannten mich dauernd “Daddy”! Ihrem Bobby Farrell, der eigentlich Hendrik heißt, müssen die Grazien irgendwas ins Glas getan haben. Der machte Verrenkungen wie ein Orang-Utan auf Ekstasy. Nennt man bei den Öffentlich-Rechtlichen Bühnenpräsenz. Farrells Brusthaar-Toupet – direkt aus Peking eingeflogen, wurde von den dortigen Olympia-Schwimmerinnen gestiftet. Stimmlich nehmen sich die China-Kracherinnen und Farrell übrigens rein gar nix.

Riesig rüber kam ich bei den entzückenden Bangles-Mädels von der Ständigen Vertretung, die von ihrem Pharao Wolfgang Grohmann vorm Auftritt abgefüllt wurden und like an egyptian wankten, aber nicht fielen.

Während Peter Fox alias Kneiper und Musiker Tonelli obercool sein “Haus am See” bezog, der Goldfish-Pub Ottawas “D.I.S.C.O.” trällert, Lal seinen Safran auspresst und Ricci e Poveri “Mamma maria” gibt, pirsche ich mich an Jane Birkin ran. Ihr wisst schon, die Stöhnerin vom Königssee. Ich erkundige mich also, ob sie mir und meinem Dieter mal einen kleinen Dienst erweisen könnte, da spüre ich die roten Gitarren von den Moritzbastei-Leuten Rick, Torsten und Jens in meinem sperrigen Kreuz, trete den kontrollierten Rückzug an. Sensationell einfühlsam, die Darbietung der Jungs!

Moonwalk rückwärts. Direkt in die Arme von Amanda Lear. Ich frage mich gerade, ob nach der Guten der gleichnamige Jet benannt wurde, da fällt mir auf, dass Amanda Haare auf der Brust hat. Womit wir wieder bei den chinesischen Schwimmerinnen und der besten von ihnen, der “Queen of Chinatown” wären. Hat sie sexy rüber gebracht, die, äh, Vertreterin der Luise-Location.

Okay, hab dann meine Weibchensuche eingestellt und der hinreißenden Kelly Family vom UT Connewitz erstmal Raumspray unter die Flügel gesprüht. Große Gedanken machte ich mir um die Blues Brothers Dietrich Enk und Andy vom “Pilot”. Die kamen als Letzte, aber gewaltig. Obwohl mit einigen Rotkäppchen im Turm, fand Dietrich den Weg in die Herzen der Fans, wurde mit seinem Partner zum fetten Hahn im Korb.

Bei der After-Work-Party flammte noch mal kurz der Titan in mir auf, ließ mir vom genialen Moderator Paul Fröhlich den genialen Chor vorstellen. Clara, Robina und Ariane sagten: “Thank you for the music, Dieter!” Ich rief: “I can`t hurry love.” Heißt: Ich kann nicht mehr so schnell wie früher, wartet bitte auf den lieben Dieter. Wurde nix.

Ansonsten: Neujahrssingen ist geil, hat dem Bohlen sein Dieter richtig gut gefallen. Nein, ich war wirklich nicht dieser Schäfer. Komme 2010 wieder. Inkognito oder so.


Dieter Bohlen
Leipziger Volkszeitung
05.01.2009